Streitschlichter

Mediation in der Schule - Schüler/innen als Streitschlichter

Mediation als Konfliktlösungsmodell zwischen strittigen Parteien hat eine lange interkulturelle Tradition. Warum soll es solche "Konfliktlotsen" nicht auch in der Schule geben? Dieses Programm soll dazu beitragen, das Klima an der Schule zu verbessern und die Eigenverantwortlichkeit der Schülerinnen und Schüler zu stärken.
Natürlich gibt es viele Stolpersteine auf dem Weg bis an einer Schule Konflikte mit Hilfe von Streitschlichtern gelöst werden. Vieles muss bedacht werden. Aber die Idee ist faszinierend und sie ist es wert, ernsthaft bedacht zu werden.

Es geht darum, dass Schüler lernen, die Lösungen ihrer Konflikte selbst in die Hand zu nehmen. sehr oft landet der Streit beim Lehrer oder beim Schulleiter. Im Schulalltag muss denn schnell gehandelt werden. Irgendwo warten z.B.. 30 Schüler auf Unterricht oder eine Besprechung darf nicht versäumt werden. So entsteht eine gewisse Routine im Umgang mit den Konflikten in der Schule. Zurück bleibt häufig aber der Eindruck, dass mehr Zeit nötig gewesen wäre, um in Ruhe zuzuhören, vielleicht um zu erfahren, wie es zum Streit gekommen ist. Selten hat eine Konfliktpartei alle Anteile am Konflikt zu tragen. Unbefriedigende Ergebnisse, die sich aus Regelungen zwischen Tür und Angel ergaben, führten dazu, darüber nachzudenken, wie Schüler mehr Verantwortung erhalten könnten, ihre Konflikte selbst zu lösen.

Ein wirkungsvolles Mittel, Konflikte anders zu regeln, ist die Mediation (Vermittlung)-, Hier helfen unparteiische Dritte (Mediatoren) den Konfliktparteien, eine einvernehmliche Lösung der Probleme zu finden. Dabei sind sie bewusst nicht Schiedsrichter oder Richter, sondern nur Helferinnen und Helfer im Prozess der Lösungsfindung durch die Beteiligten. Sie begleiten beim Finden einer Lösung. Sie schlichten also nicht selbst. Das erledigen die "Streithähne" in eigener Verantwortung. Ziel ist, den Beteiligten zu helfen, eine "Win-win"- Lösung zu erarbeiten.

Das Schüler-Streit-Schlichter-Programm ist ein in anderen (Bundes-) Ländern erfolgreich umgesetztes Modell zur Vermittlung von Formen konstruktiver Konfliktbearbeitung. Es leistet nicht nur einen wesentlichen Beitrag zur Präventionsarbeit, sondern trägt auch zur Verbesserung des sozialen Klimas an der Schule bei.

Ziele des Streitschlichterprogramms an Schulen:

Für Schülerinnen und Schüler:

Ziel sollte es sein, eine möglichst große Anzahl an Schülern und Schülerinnen als Konfliktlotsen auszubilden, um eine positive Streitkultur an der Schule zu fördern, einen gewaltfreien Umgang miteinander aufzubauen und ein angenehmes Schulklima für alle zu schaffen. Schülerinnen und Schüler ohne Ausbildung können sich vom Angebot der Konfliktlotsen überzeugen und es im Streitfall wahrnehmen. Gewalt und Spannungen werden so abgebaut und langfristig wird die Einsicht gewonnen, konstruktiven Umgang mit Konflikten zu erlernen.

Für Lehrkräfte

Bereitschaft zur Mithilfe, um das Projekt an der Schule zu verwirklichen 
Engagement zur Konfliktbewältigung im Unterricht
Für die Schule ein Konzept zur Gewaltreduzierung bis hin zur Gewaltvermeidung zu erarbeiten.

Für Eltern

Eltern sind meist froh, dass ihr Kind in der Schule neben dem Sachwissen auch ein Instrument kennen lernt, durch das ein besseres Zusammenleben möglich wird.

Suchtprävention

1. Begründung und Verständnis schulischer Suchtprävention 

Suchtprävention an der Schule ist Folge des erzieherischen Auftrags der Schule. Sie ergibt sich aus der speziellen Perspektive, in der Jugendliche hier in den Blick kommen und wird in einem sehr umfassenden Sinn definiert.

Siehe die Verwaltungsvorschrift zur Suchtprävention in der Schule vom 13. November 2000, Abs. I ; Az.: 41-6610/1/363). [Unterteilungen und Hervorhebungen vom Verf.]

Dort heißt es grundsätzlich zum Erziehungsauftrag: 

  • „Lebensprobleme sind für junge Menschen heute oft bedeutsamer als Lernprobleme“
  • „weshalb Erziehung im Sinne einer Lebenshilfe zunehmend an Bedeutung gewinnt.“
  • „Während der Schulzeit durchlaufen Kinder und Jugendliche Entwicklungsphasen, die nicht selten mit Krisen verknüpft sind.“
  • „Ein festes persönliches Wertegefüge ist bedeutsam für die Ausbildung der eigenen Identität und die seelische Stabilität.“
  • „Die Schule hat daher neben der Wissensvermittlung eine wichtige erzieherische Aufgabe, die das Eingehen auf persönliche Sorgen und Nöte erforderlich macht.“

Zum Verständnis von Suchtprävention heißt es:

  • „Suchtprävention muss deshalb mehr sein als eine Vermittlung bestimmter kognitiver Inhalte. Aufklärung, Information und Bewusstmachung können nur die Basis liefern für den Aufbau von lebensbejahenden Einstellungen und Verhaltensweisen.“
  • „Diesen emotionalen Zugang zu allem Schönen und Erstrebenswerten dieser Welt Schülerinnen und Schülern zu vermitteln ..... dies ist der eigentliche Kern einer gelungenen suchtvorbeugenden Erziehung“
  • „Sinnvolle Freizeitbeschäftigungen in Kunst und Musik, Sport und Spiel, unsere natürliche Umwelt, soziale und gesellschaftliche Aufgaben, um einige Beispiele zu nennen, bieten vielfältige Möglichkeiten, innere Festigkeit und persönliche Stabilität zu erlangen.“

Zusammengefasst bedeutet dies 

  • „Suchtvorbeugung ist jede Erziehung, die darauf ausgerichtet ist, lebensbejahende, selbstbewusste, selbstständige und belastbare junge Menschen heranzubilden und ihnen über positive Grundeinstellungen den Weg in die Zukunft zu bahnen.“
  • „Suchtvorbeugung ist somit eine Aufgabe für jede Lehrerin und jeden Lehrer.“

Verstärkt wird diese Sichtweise durch die neuen Bildungspläne. Diese zielen auf die Entwicklung von fachlichen, personalen, sozialen und methodischen Kompetenzen. „Schulentwicklung hat damit eine präventive Komponente.“ 

(Martin Wägele, Informationsdienst zur Suchtprävention, Ausgabe 16, S. 27) 

Zu Suchtprävention und Kompetenzerwerb siehe die Auflistung der zu fördernden Kompetenzen in: Informationsdienst zur Suchtprävention Nr.20, 2.überarbeitete Auflage, Stuttgart 2009, S. 46

Suchtprävention geschieht in allen Bereichen schulischen Lebens.
Sie ist Aufgabe aller Lehrerinnen und Lehrer.

2. Suchtprävention am Gymnasium Balingen

2.1. Grundsätzliches

Den ganzheitlichen Ansatz schulischer Suchtprävention ergänzen wir am Gymnasium Balingen durch ein spezielles Schulcurriculum „Suchtprävention“. 

Dabei halten wir daran fest: Erstrangige Aufgabe der Schule ist die Primärprävention bzw. die universelle Prävention.

„Primärprävention bedeutet eine frühzeitige, langfristige und kontinuierliche Vorbeugung. Konzepte der Primärprävention beziehen sich nicht nur auf Drogen im engeren Sinne, sondern zielen auf eine Veränderung aller ausweichenden Verhaltensweisen, die mangelnde Lebensqualität ersetzen sollen. Primärprävention setzt sich zum Ziel, suchtfördernde Strukturen in der Umwelt und bei bestimmten Zielgruppen aufzudecken und zu verändern, so dass Menschen ihren Alltag ohne Missbrauch von Suchtmitteln sinnvoll (er)leben können.“

„universelle Prävention: Sie richtet sich an alle Schülerinnen und Schüler. Sie will Schutzfaktoren stärken, z.B. durch strukturierte Präventionsprogramme, wie Lebenskompetenzprogramme. Die Einübung des Widerstandes gegen Gruppendruck und das Neinsagen in Risikosituationen gehört hierzu, ebenso der Erwerb von Wissen über Suchtmittel und die Konsequenzen ihres Gebrauchs.“

Zur Abgrenzung und Unterscheidung: 

Sekundärprävention bzw. selektive Prävention 

Sie „richtet ihre Aufmerksamkeit auf gefährdete Risikopersonen und -gruppen.“ Sie ist nur insoweit Aufgabe der Schule, als die Schule hier durch frühzeitiges Erkennen vermittelnd tätig wird, an Beratungsstellen verweist bzw. solche und/oder die Polizei einschaltet.

Tertiärprävention bzw. indizierte Prävention 

Sie „richtet ihr Hauptaugenmerk auf die Reduzierung der Rückfallquote“ und ist nicht Aufgabe der Schule.

Alle Zitate aus: Informationsdienst zur Suchtprävention Nr.20, 2.überarbeitete Aufl., Stuttgart 2009, S. 40

Suchtprävention muss unserer Auffassung nach also stets beide Aspekte im Auge behalten:

Kinder und Jugendliche stärken

Wir wollen an unserer Schule jene Kompetenzen bei Kindern und Jugendlichen herausbilden und stärken, die sie vor einer Suchtgefahr schützen.

Dies geschieht neben notwendiger Sachinformation durch eine entsprechende Persönlichkeitsentwicklung, förderliche Rahmenbedingungen und ein entsprechendes Erziehungsverhalten.
Gefahren vermeiden

Ebenso wollen wir Situationen und Bedingungen vermeiden, die suchtfördernd wirken. In diesem Sinne wollen wir stets überprüfen: Unser Lern – und Schulklima, unser Erziehungsverhalten aber auch die Gestaltung unserer schulischen Räume und des schulischen Umfelds.

2.2. Praktische Umsetzung 

Zahlreiche Einzelelemente aus anderen Teilgebieten unseres Schulcurriculums unterstützen auch die speziellen Ziele des curriculums „Suchtprävention“. Sie werden deshalb hier ebenfalls aufgeführt.

2.2.1. Unspezifische Elemente des Curriculums „Suchtprävention“

Lions-Quenst-Programm „Erwachsenen werden“. Ein Programm, das theoretisch in der 5.-10. Jahrgangsstufe zur Suchtprävention, Gewaltprävention und zur Sozialkompetenzförderung eingesetzt werden kann. Bei uns wird es in den Klassen 5—7 eingesetzt und setzt einen wesentlichen Schwerpunkt im Sinne einer ganzheitlichen Primärprävention.
Erlebnispädagogische Tage in Klasse 5
Mentorenprogramm
Streitschlichter
Sozialpraktikum
Alle zusätzlichen sportlichen Aktivitäten unserer Schule, wie z.B. „Jugend trainiert für Olympia“ (insofern dabei auf die Förderung sozialer und personaler Kompetenzen geachtet wird)
Alle Austauschprogramme, insofern sie die personale und soziale Kompetenz fördern.
Talentförderung (z.B. Kreativtage, Kulturnacht, AGs, Wettbewerbe)

2.2.2. Spezifische Elemente

Fachunterricht in Biologie und Religion (Klassen 7 und 10; in gegenseitiger Absprache) vermittelt Sachkenntnisse zu Suchtmitteln und Abhängigkeit, Suchtursachen und Hilfsangebote für Suchtgefährdete und Süchtige
Mädchen SUCHT Junge“ – ein Programm in Kooperation mit der Realschule Balingen auf der Klassenstufe 7.
Gefahren des Alkohols- und Drogenkonsum im Zusammenhang mit der Verkehrserziehung in den Klassen 9,11,13
Unregelmäßige Informationen durch Fachkräfte der Polizei in einzelnen Klassen und auf Elternabenden zu den Themen „Gefahren durch Drogen – und Mediensucht“
Unregelmäßige Elternabende zu spezifischen Themen durch Fachkräfte von außerhalb

(i.A. R.Hiessl, April 2010 )